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nurejew

Nurejew

Theater Pforzheim

22.01.2023

Tanzstück von Guido Markowitz und Damian Gmür, Uraufführung, Einführung 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn

Er war ein Komet am Tanzhimmel, ein Welt-, ein Medien- und ein Popstar des klassischen Balletts. Und ein Mann mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte: Rudolf Nurejew, 1938 geboren in der Transsibirischen Eisenbahn in der Nähe von Irkutsk am Baikalsee, der Partnerstadt Pforzheims. Wie fühlte es sich an, Rudolf Nurejew zu sein? Als Mensch im Fadenkreuz extremer Sehnsüchte und gegensätzlicher Bedürfnisse in der Zeit des Kalten Kriegs zu stehen? Als Tänzer mit den Begrenzungen, seien es jene der Gesellschaft, ihren Ordnungen und Institutionen oder jene des eigenen Körpers, umgehen zu müssen? Guido Markowitz und Damian Gmür nähern sich in ihrem neuen Tanzstück Nurejew dem Künstler und Menschen. Gemeinsam entwerfen sie ein emotional durchleuchtendes Tanz-Imago dieses herausragenden Künstlers in Bildern und Gefühlen eines Lebens, das vor allem an einem Ort stattfand: auf der Bühne.

Helles und Dunkles lagen in der Lebensgeschichte von Rudolf Nurejew, der 1993 an der Immunkrankheit AIDS starb, nah beieinander. Die extremen und komplizierten Spannungsfelder, die sein Leben von Anfang an geprägt haben, hatten in ihm eine Welt aus Licht und Schatten ausgeformt und ein ureigenes Verständnis von Grenzen und von Freiheit hervorgebracht. Nurejew hat beides in seinem Leben erfahren: ein S ubjekt oder ein Objekt zu sein, anderen auf Augenhöhe zu begegnen oder sie respektlos zu behandeln.

Gewohnt, einerseits instrumentalisiert zu werden, andererseits etablierte Regelsysteme infrage zu stellen, ja sogar komplett zu ignorieren und ihnen Neues zuzumuten, forderte Nurejew zeit seines Lebens die Menschen und Institutionen heraus. Denn ausgestattet mit einer unvergleichlichen Aura und starken sinnlichen Präsenz, wirkte Nurejew betörend schön. Man erkannte in ihm Hingabe und erkannte seine Fähigkeit zur Innovation an. Zugleich galt er als egoistisch und provokativ, seine Gier und Egozentrik als bestechend. Zugefügten Demütigungen begegnete der außergewöhnlich athletische Tänzer erst mit Aufruhr, später mit Arroganz.

Am 16. Juni 1961 entschied sich Nurejew, damals Solist beim Kirow-Ballett, dem heutigen Marijinski-Ballett, während des ersten Gastspiels im Westen auf dem Pariser Flughafen politisches Asyl zu beantragen. Familie und Weggefährten in der alten Heimat büßten für seine Flucht. In seinem neuen Leben im Westen fand er in Margot Fonteyn und Eric Bruhn, später in Robert Tracy wichtige Seelen-, Bühnen- und Lebenspartner. Unerschrocken definierte Rudolf Nurejew an ihrer Seite männliche Rollenbilder im Ballett neu. Später schuf er als Ballettdirektor der Pariser Oper komplette Neufassungen klassischer Werke. Nurejew ebnete so einem neuen Männerbild und neuen Interpretationen im Ballett des 20. Jahrhunderts den Weg.

2017 schuf der russische Regisseur Kirill Serebrennikow am Bolschoi-Theater das erste Nurejew-Ballett. Es thematisierte Nurejews Homosexualität, seinen Dienst am Tanz und sein Leben in und nach der Diktatur. Für ihre eigene Neuschöpfung, die erste in Deutschland, gehen Guido Markowitz und Damian Gmür einen anderen Weg. Markowitz sieht Nurejew in zahlreichen Bildern gespiegelt: im Faun, Kind und weißen Schwan, im schwarzen Schwan, Liebenden, im Kämpfer und Geliebten. Nurejew war für Markowitz ein Mann aus dem Schnee, der Kälte kannte und die Hitze des Lebens. Damian Gmür fasziniert die scheinbar unzähmbare Wildheit Nurejews: Er war als Künstler getrieben von Instinkt und Intuition. Er erlebte die Widerstände und eisernen Grenzen auch physisch, und er fand immer wieder den Mut, den Sprung ins Neue und Unbekannte zu wagen.

Veranstaltungsort

Theater Pforzheim

Am Waisenhausplatz 5
75172 Pforzheim

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